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Very Special Insider View: Maria Pütz-Willems



Seit 25 Jahren Journalistin und seit über 18 Jahren spezialisiert auf Hotellerie. Davon 16 Jahre als Freie Journalistin für führende Fach- und Wirtschaftsmedien in Deutschland und der Schweiz. 2005 gründete Maria Pütz-Willems den Branchen-Informationsdienst www.hospitalityinside.com, eine zweisprachige Online-Publikation für das internationale Hotel-Management.
 
Design als Massenware
 
Hoteldesign ist "hipp", aber es könnte auch bald wieder "out" sein. Ihm droht die Vermassung. Statt "exclusivity" droht "massclusivity". Das Wortspiel, jüngst zu hören bei einem Investmentkongress in Berlin, beschreibt einen neuen Trend in der Hotelwelt.
 
Hoteldesign trägt jetzt hörbar andere Namen: aloft, Indigo, Missoni und Bulgari zum Beispiel. Die beiden letzten Namen kennt man in Europa - als Synonyme für Luxus und Lifestyle, für Qualität und Geschmack, für Juwelen oder Textilien. Die beiden ersten Namen werden Reisende künftig erst kennenlernen - sie stehen auf der "Entwicklungskarte" der großen Hotelketten. Die Bettengiganten dieser Welt haben nämlich das Design der Edel-Designer entdeckt und begonnen, aus deren Exklusiv-Ware Massen-Ware zu machen. Sie beginnen, Design in Hotel-Serie zu entwickeln.
 
Dabei haben die großen Hotelketten diese Idee selbst schon kopiert: von den kreativen Privathotels, die es in jedem Land gibt und die sich durch ihre Einrichtung, ihr schickes, trendiges Ambiente und einen sehr persönlichen, familiären Service schon immer abzusetzen wussten. Eine Vereinigung, die versucht, solche Individualisten zu bündeln, sind die design hotels aus Berlin. Inzwischen haben aber auch sie ihre Aufnahmekriterien deutlich verschärft - um das echte Design eben nicht dem neuesten Trend und damit der weltweiten Vermassung preiszugeben.
 
Designhotels im Allgemeinen, egal welcher Couleur, haben das "gewisse Etwas", das Quäntchen "Mehr" an Seele, das viele (Allein-)Reisende unterwegs suchen. Deshalb sind sie so erfolgreich. Wer sich als "Designhotel" vermarktet, steigert seinen Umsatz auf Anhieb um mindestens 15 Prozent. Das reizt erst recht die grossen Ketten. Sie möchten deshalb mehr vom Design-Kuchen abhaben.
 
Der erste Schachzug der Hotel-Strategen lag nahe: Sie verbündeten sich mit den echten Designern. So schloss die amerikanische Marriott-Kette mit dem italienischen Design-Label Bulgari einen Vertrag und eröffnete inzwischen die ersten beiden Super-Luxus-Lifestyle-Ketten-Hotels in Barcelona und auf Bali. Natürlich tragen beide Domizile den Namen Bulgari. Denn damit lässt sich mehr Geld verdienen als mit Marriott, unter deren Dach sich auch noch Mittelklasse-Herbergen befinden. Armani und Versace gibt es inzwischen übrigens auch in "Hotel-Ausführung"!
 
Die Rezidor-Gruppe, deren bekannteste Hotelmarkte Radisson ist, gehört zu jenen Ketten, die die nächste Stufe erklimmen: Sie sind dabei, gemeinsam mit dem italienischen Modehaus Missoni, Design-Hotels auf erschwinglichem Firstclass-Niveau zu entwickeln. Dann kostet eine Nacht im coolen Designer-Ambiente nicht mehr 1000 Euro, sondern nur noch 100 oder 150. Die Anfänge sind schwierig, aber die Absichten ernst. Von den Missoni-Hotels wird es deshalb relativ schnell ein paar mehr geben.
 
Steigerungsstufe Nummer 3 stellen jetzt die weltumspannenden Mega-Ketten mit ihren Ideen dar: InterContinental Hotels haben "Indigo" ersonnen, um auf der Design-Welle mitzuschwimmen. Bislang kann man diesen Hoteltyp nur in den USA bewundern; für Europa ist er aber angekündigt. Und das gleich in Dutzenden!
 
Gleiches gilt für aloft, ein Produkt der amerikanischen Starwood Hotels & Resorts, unter deren Dach sich beispielsweise auch die Edelmarken St. Regis und die erst vor wenigen Jahren kreierte Design-Marke W befinden. Das W am Times Square in New York beispielsweise gehört zu den absolut hippen Spots im Big Apple, an dem man abends am Hotellift liebend gern Schlange steht, um Einlass zu finden in eine dunkle Lobby, in der eine farbig beleuchtete Bar, coole Sessel und Multi-Kulti-Menschen fancy drinks ordern. Nach dem spontanen Erfolg dieses primitiven, aber profitablen Konzepts dachte sich Starwood eine andere Raffinesse aus: W braucht eine kleine Schwester. Die heisst aloft, pickt Kernelemente des W-Designs auf, verwendet aber weniger edle Materialien und packt noch mehr Menschen in eine Lobby, in der man dann kollektiv surfen, essen und trinken kann. Wie bei Muttern im Wohnzimmer.
 
In den nächsten fünf Jahren sollen 500 aloft weltweit entstehen! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Das bedeutet 500 mal Design in Serie! - Die "massclusivity" nimmt ihren Lauf.

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