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Very Special Insider View: Maria Pütz-Willems



Seit 25 Jahren Journalistin und seit über 18 Jahren spezialisiert auf Hotellerie. Davon 16 Jahre als Freie Journalistin für führende Fach- und Wirtschaftsmedien in Deutschland und der Schweiz. 2005 gründete Maria Pütz-Willems den Branchen-Informationsdienst www.hospitalityinside.com, eine zweisprachige Online-Publikation für das internationale Hotel-Management.
 
www -- das weltweite Wirrwarr
 
Ob Bill Marriott, der oberste Chef der Marriott Hotels, Kurt Ritter von Rezidor - Radisson Hotels -- oder Horst Rahe von den A-Rosa-Hotels jemals selbst versucht haben, in einem ihrer Hotelzimmer ins Internet zu kommen? Einfach mal das Modemkabel einzustöpseln und dann frustriert mitzuerleben, wie man stundenlang offline bleibt? Wie die Wut im Bauch wächst, die E-Mails sich unsichtbar stapeln und die Geschäftspartner hörbar verärgert sind, weil man sie nicht erreicht?
 
Das www ist ein weltweites Wirrwarr in der Hotellerie. Vollmundige Versprechungen, und selten funktioniert's. Problem Nr. 1: unqualifizierte Mitarbeiter. Vor der Tagung im neuen A-Rosa Resort in Travemünde erkundige ich mich telefonisch, ob es aus dem Zimmer einen ISDN- oder Analog-Anschluss gibt. Kein Kabel möchte ich zuviel einpacken. Nach fünf Minuten im Zimmer: Der avisierte Analog-Anschluss ist natürlich ISDN. Frust.
 
Problem Nr. 2: Zuviele Zugänge. Zwei Wochen später im funkelnagelneuen Courtyard by Marriott in Paris-Colombe. Gehetzt zwischen offiziellen Terminen, E-Mails und Redaktionsschluss versuche ich im Zimmer, mich zwischendurch mal schnell einzuloggen. Ich suche über die Infrarot-Tastatur den Menü-Button "Internet" im Fernseher. Mit dem großen Plasma-Bildschirm zu arbeiten, wäre komfortabler als mit meinem 10-Zoll-Bildschirm vom Laptop. Fünf Euro will das Hotel dafür haben -- für 60 Minuten. Das ist mir in der Eile nicht zu teuer, aber zu umständlich. Die eingebaute "Maus" ist viel zu starr, lässt sich kaum führen.
 
Also doch: ISDN-Kabel in meinen eigenen Laptop stecken. Passt. Aber jetzt muss ich erst dem Provider Ibahn auf dem Bildschirm bestätigen, dass ich mit dem Einloggen aus dem Zimmer und der Pauschale von 12 Euro für 24 Stunden einverstanden bin. In Ordnung, funktioniert.
 
Abends überlege ich, von den stationären PCs aus der Lobby zu arbeiten. Dann kann ich mir nämlich ein Bier an der Bar holen, gleichzeitig das Treiben in der wirklich netten Wohn-Lobby beobachten und nebenher Mails beantworten. Gute Idee. Der Provider für das Einloggen in den Lobby-PCs ist der gleiche wie der im Zimmer, aber: Ich kann mich selbst als Hotelgast nicht nochmals "einfach so" einloogen, ich muss erneut zahlen -- entweder per Kreditkarte oder per Prepaid-Card an der Rezeption. Macht für 90 Minuten erneut 12,50 Euro! Ich hole tief Luft und registriere: Das ist der dritte Preis und die dritte Variante für einen Internetzugang in diesem brandneuen Hotel!
 
Problem Nr. 3: Falsche Versprechungen. Eine Woche später im Radisson SAS Style Hotel in Wien. Pfiffiges Hotel in guter Lage, macht Laune. Vom Flyer auf meinem Schreibtisch lächelt mir CEO Kurt Ritter entgegen. Er verspricht "Guest Satisfaction". Der Flyer daneben lockt mit "Gratis-Surfen im Internet". Ich stöpsele mein ISDN-Kabel ein. Passt. Trotzdem kommt keine Verbindung zustande. Ich überprüfe die Einstellungen, stimmt. Trotzdem geht nichts. Anruf in der Rezeption: Der Technik-Kollege kommt gleich. Er kommt nicht. Zweiter Anruf: Der IT-Kollege bringt gerade das Gepäck aufs Zimmer, dann kommt er. Drei Minuten später öffne ich die Tür -- vor mir steht ein lächelnder Asiate, der nur (!) Englisch spricht. Er sieht mein Problem, wir stecken gemeinsam alle Stöpsel ein und aus, er versteht es auch nicht. Dann holt er das Kabel vom Hotel. Rein, raus -- jetzt klappt die Verbindung. Aber wieso? Das Kabel sieht auch nicht anders aus als meines! Aber ich muss auch hier erst bestätigen, dass ich eine Flat Fee von 12,50 Euro für 24 Stunden zahlen muss.
 
Liebe Hoteliers, es nervt einfach nur! Halten Sie sich bitte mit Versprechen zurück, die Sie nicht halten können. Mit Marketing-Bluff, verwirrenden Zugangssystemen und inkompetenten Mitarbeitern werden Sie keine Stammgäste gewinnen. Der Internetzugang ist für jeden Reisenden heute ein Muss -- Teil eines mobilen Lebens, das genauso funktionieren muss wie der das Einschalten des Lichts im Zimmer. Wann kommen endlich der Gratis-Zugang und ein einfaches Zugangssytem?
 
Maria Pütz-Willems, leidgeprüfte Online-Redakteurin.

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