 Seit 25 Jahren Journalistin und seit über 18 Jahren spezialisiert auf Hotellerie. Davon 16 Jahre als Freie Journalistin für führende Fach- und Wirtschaftsmedien in Deutschland und der Schweiz. 2005 gründete Maria Pütz-Willems den Branchen-Informationsdienst www.hospitalityinside.com, eine zweisprachige Online-Publikation für das internationale Hotel-Management.
 |
 |
Statt Blumen... Prächtige, theatralische, weithin duftende Blütenberge stellen sich dem Gast charmant-provokant in den Weg: Das Blumenbouquet im Entrée des Grand Hotels möchte bitteschön wahrgenommen werden. Der ehrfürchtige Gast umkreist es, gezwungenermaßen und gleichsam fühlend, dass der grosse Strauß genau jenen Luxus symbolisiert, der ihn nun empfängt.
Nun steigt die Masse der Reisenden nicht in Domizilen mit grossen Blumenbouqets ab, sondern sieht sich konfrontiert mit bescheideneren Arrangements der zenistischen Art - oder gar mit ganz anderen Deko-Alternativen. Beliebt bei Design-Hotels: der giftgrüne Apfel. Griffbereit liegt er an der Rezeption, doch keiner traut sich hinzubeißen in dieses inszenierte Objekt der Kunst. Wachs hat ihm zu seinem Glanz verholfen, und der Glanz hält bissige Gäste auf Distanz.
Deko zum Reinbeißen liegt voll im Trend. Nüsse und Kastanien zieren das herbstliche Büffet, gelbe Paprika, grüne Zucchini und rote Möhren künden von der bunten Gemüse-Ecke, und unter der baumelnden Salami findet man Wurstiges im Feinaufschnitt. Lebensmittel bringen Frische und Farbe in die Inszenierung eines Hotels - allerdings: Ökologisch bewusste Gäste kritisieren diese Deko-Variante. Das "Spiel" mit Naturprodukten halten viele für eine besonders dekadente Form der Verschwendung.
Deko darf nicht viel kosten und muss trotzdem wirken. Oder einen persönlichen Nutzen für den Gast haben. Das Täfelchen Schokolade auf dem Kopfkissen, die süsseste Deko seit Jahrzehnten, muss immer häufiger anderen Service- und Deko-Ideen weichen. Die Rationalisierung in der Hotellerie lässt beides buchstäblich miteinander verschmelzen. Geschäftsreisenden ist die Gratis-Flasche Mineralwasser meist auch lieber als eine Blume, und Fitnessbewusste freuen sich gar über die Minihanteln oder die Yoga-Matte im Zimmer. Beliebt ist alles, was zur Entspannung beiträgt: die gekühlte Augen-Gel-Maske aus der Minibar, die Schlafmaske, das Mini-Fläschchen mit Entspannungsbad.
Apropos Bad: Das hygienisch verpackte Stückchen Edel-Seife im Gästebad ist beim Hereinkommen immer eine Augenweide, und zudem riecht es noch gut... So wandeln sich Deko-Ideen zu Service-Utensilien. Kleine, schleichende Veränderungen wie diese haben ein neues Stückchen Hotelgeschichte eingeleitet. Ein sehr nüchternes, in der Tat, und eines, das im wahrsten Sinne des Wortes den Wandel einer Branche vom Gastgebertum zur Service-Industrie spiegelt... Die fehlenden Blumen sagen auch mehr als 1000 Worte.
|